Historie Sloughi

Sloughis in Marokko

Sloughis in Marokko Copyright: Schritt

Die frühen Reisenden und Entdecker des 19. Jahrhunderts brachten zusammen mit einem bunten Bilderbogen an Berichten die Kunde vom Sloughi, dem  Windhund Nordafrikas mit. Der französische General Eugène Daumas, Arabienkenner und renommierter Hippologe, gab 1853 in  Paris sein bekanntes Werk „Die Pferde der Sahara“ heraus, in dem er große Teile dem Sloughi und seiner Tradition widmete und ihm damit ein historisches Denkmal setzte.

Tunesische Nomadenfamilie mit Sloughi

Tunesische Nomadenfamilie mit Sloughi, Copyright: Schritt

Mit großem Einfühlungsvermögen in die afrikanisch-arabische Welt zeigt Daumas den Sloughi als den noblen Jagdgefährten  der Beduinen, der die aufmerksamste Behandlung erfährt, der sorgsam aufgezogen wird, der im Zelt an der Seite seines Herrn schläft, der durch Decken vor Kälte geschützt und mit Halsband und Talisman geschmückt wird, der vom besten Essen erhält, der gastlich aufgenommen wird, wenn sein Herr Besuche macht, der von hohem Wert ist, wenn er durch Jagen zur  Ernährung der Familie beiträgt. Am Ende seines Lebens, so schreibt Daumas, wird er beweint und betrauert. Sein Wesen wird als klug und edel beschrieben, seine Manieren als vornehm und stolz. Dieses klassische Sloughi-Portrait wurde von vielen Literaten übernommen und fand u.a. auch Eingang in Brehms Tierleben. Verschiedene andere Reisende und Naturforscher wie Nachtigall, Rohlfs und  Kobelt hinterließen ebenfalls historisch interessante Beschreibungen des Sloughis in ihren Werken.

Sloughi Marokko

Marokko in den 70er Jahren, Copyright: Schritt

Wer sich  darüber hinaus für die ältere Geschichte der Rasse Sloughi interessiert, der kann die Zeugnisse seiner frühen Vorfahren in  nordafrikanischen Museen, z.B. in Kairo und in Tunis entdecken, wo sie auf 2000 Jahre alten römischen Mosaiken, Reliefs und als Plastiken verewigt sind. Man  kann die Spur des Sloughis sogar zurückverfolgen bis in die Zeit der Pharaonen. Schon auf den Wandreliefs ägyptischer Monumente aus der Zeit vor 3.500 Jahren wurden seine Vorfahren in Jagdszenen dargestellt.

Noch heute hat sich die ideelle Wertschätzung des Sloughis in Nordafrika erhalten, wo er im Gegensatz zu anderen Hunden als „asil“ = rein gilt. Allerdings ist auch dort vieles im Wandel, so auch die Lebensbedingungen für Nomaden und Windhunde.

Glücklicherweise ist der Sloughi anpassungsfähig und meistert auch die Anforderungen des modernen Lebens in perfekter Weise. Der Anschluss Marokkos an die internationale Kynologie hat auch dem modernen Araber ein besonders Gefühl für die Bedeutung der Nationalrasse gegeben verbunden mit Stolz auf die arabische Tradition.

Text von Ingeborg Schritt

Sloughi-Eintragungen Deutsches Zuchtbuch Nr. 1 – 31 und ein wenig Drumherum

von Ingeborg Schritt

Im Jahre 1971 begann unsere aktuelle Periode der Sloughi-Zucht. Der erste Hund des ersten Wurfes, Alif Schuru-esch-Schams, wurde unter der ZB-Nr. SL 32 ins DWZB eingetragen.

Wer und was aber war davor? Vor dem Krieg sei es gewesen, wussten einige alte Insider, dass es schon einmal ein paar Sloughis in Deutschland gegeben habe.

Fotomaterial in alten Zuchtbüchern? Fehlanzeige! Schade. Abgehakt. Oder doch nicht?

Wir wollen es jetzt aber doch einmal genauer wissen.

Wer waren die Vorläufer 1 bis 31?

Im Band II des DWZB von 1921 sind die ersten 5 Sloughis aufgeführt.

Nr. 1, Kara, Rüde, geb. 02.05.1912, stammt aus der Zucht des Zool. Gartens, Berlin und gehörte Herrn Ludwig Mertens, ebenda.

Von einer Sloughi-Zucht des Zool. Gartens Berlin haben wir mehrfach gehört. Auch Bungartz (1886) erwähnt, dass man dort mehr Glück damit gehabt habe, als er selbst. Hier also als Ziffer 1 im DWZB das greifbare Zeugnis dafür.

Am Rande erwähnt: Auch im Zoo von Temara/Marokko wurden in den 70er Jahren Sloughis gezüchtet. Da diese Art dem Wesen des Sloughis aber nicht gerecht wurde, hat man die Zucht dort wieder aufgegeben.

Nr. 2 bis 5, Turi, Bobby, Hamuma und Oktaia stehen mit Holland in Verbindung, Bobby war unbekannter Herkunft. Offensichtlich gab es keine Zuchtverwendung.

Im Zuchtbuch 1929 ist Denia, Nr. 6, Import aus den Niederlanden, geb. 1928, eingetragen. Von Denia gibt es 2 Fotos im ZB VI von 1931-32.

Es drängt sich allerdings die Frage auf, ob Denia bereits ein Produkt der in Holland in den 20er Jahren betriebenen Kreuzung Sloughi mit Greyhound war, womit man, genau wie in Spanien, den „Rennhund“ kreiren wollte. (Das führte zum Ende der frühen holländischen Sloughis.)

Auch hier keine Zucht.

Dann, Band IX und X 1936-39. Eintragung Nr. 7, Kabyle, Rüde, sable, masque noir, gew. 26.07.1936, Züchter Flahault, Pont-A–Mousson, V: Jelloul Ould Chems, SL 7, M: Jouhera Ould Chems, SL 13.

Foto 2 – Jelloul Ould Chems, französischer Import nach Holland

Foto 3 – Jelloul Ould Chems, Bes.: Mevr. M. Kerrel, Den Haag/VL

Foto 1 – Zorah, Imp. aus Marokko, Bes. Frau Windecker-Castan

Nr. 8 Zorah, Hündin, sandfarben, importiert (keine weiteren Angaben). Besitzerin von Kabyle und Zorah: Frau Ellen Windecker-Castan, Berlin.

Foto 1 – Zorah, Imp. aus Marokko, Bes. Frau Windecker-Castan, Berlin

Und direkt darunter: der A-Wurf „Burg Windeck, gew. 05.02.1939, mit 10 Welpen (Zuchtbuch-Nr. 9-18) mit Namen, die uns eigenartig berühren. „Alarm, Angriff, Apell, Abenteuer, Amazone, Amulett, Aquarell, Arabeske, Arroganz, Attacke“.

Dann im ZB XI der B-Wurf, gew. 16.12.1939 mit den Nummern 19-24, wiederum aus Kabyle und Zorah. Hündin „Ballade“ aus diesem Wurf wurde „Reichssieger“.

Jetzt kommen noch 3 Würfe: ZB XII 1941-43: C-Wurf, gew. 12.03.1942, mit 3 Welpen, ZB-Nr. 25-27,

V: Kabyle, M: Ballade v.d. Burg Windeck.

ZB XIII 1944-46: D-Wurf vom 17.05.1943 mit 2 Welpen, ZB-Nr. 28+29, V: Kabyle, M: Ballade v.d. Burg Windeck

E-Wurf, vom 22.04.1944 mit 2 Welpen, ZB-Nr. 30+31,
V: Banner v.d. Burg Windeck, M: Ballade v.d. Burg Windeck.

Angemerkt werden muß, dass auch die Würfe C, D und E ursprünglich zahlreich waren wie der A-Wurf. Belassen wurden aber nur die oben angegebenen Mindestzahlen, sicherlich in Anbetracht der ungünstigen Kriegsjahre.

Die Namen der Welpen waren ähnlich geartet wie schon im A-Wurf und vielleicht unter dem Eindruck der Kriegsjahre martialisch gewählt.

So gingen insgesamt 23 Sloughis aus der Zucht von „Burg Windeck“ hervor, allerdings aus nur 2 Stammhunden, Kabyle und Zorah. Wir ersehen zwei Würfe der beiden Ausgangstiere, zweimal Vater-Tochter – und einmal Bruder-Schwester-Paarung.

Das ist bis dahin dürres Zahlenmaterial, kein Foto, kein Artikel, keine bleibende Erinnerung.

Aber es findet sich doch etwas. In dem Buch „Unsere Hunde“ von Peter Karfeld, aus dem Jahr 1939 und sogar in Farbe ersteht sie wieder auf, die kleine (Foto 1) sandfarbene Zorah, die Stammutter der 23 Windecker Sloughis. In der Bildlegende erfahren wir auch etwas über ihre Herkunft; sie stammte aus Marokko.

Sloughi Zuchtbucheintragungen Historie Foto 7

Foto 7 – Anulett v.d. Burg Windeck, Z.: Frau Windecker-Castan, Berlin

Der Rüde Kabyle bleibt im Dunkeln. Wir wissen aber, dass er aus Frankreich kam, gezüchtet von M. Faucault.  Seinen Vater Jelloul Ould Chems mit der frühen LOF SL-ZB-Nr. 7, finden wir auf der Oktober-Ausstellung 1937 in Den Haag wieder mit einer holländischen Besitzerin.

Dr. Waizenegger berichtete im DWZB VII/VIII auszugsweise folgendes über ihn: (Fotos 2 und 3)

„Besonders der imponierend große Rüde Jelloul Ould Chems (gew. Juni 1935), dem u.a. die deutsche silberne Fachschaftsplakette vom Dreirichterkollegium einstimmig zugesprochen wurde, wird für die holländische Zucht von maßgebender Bedeutung sein, da er trotz seiner Größe den Adel und alle typischen Merkmale der Rasse zeigt, wie aus den beiden Liebhaberbildern, die ich seiner Besitzerin, Mevr. M. Kerrel, Den Haag, verdanke, hervorgeht. Er hat die Idealfarbe hellen Sandes mit dunkler Schnauze und dunkelfarbigen Behängen, die hängend und am Kopf anliegend, die für die Rasse charakteristische Form haben; das etwas verschleierte dunkle Auge mit dem sanften, träumerischen und fast traurigen Ausdruck.

 Das Kopfbild zeigt deutlich den bei allen anderen Windhundrassen verpönten, hier gewünschten Backenansatz und die eigenartige, fast helmkopfartige Schädelbildung mit betontem Hinterkopf.

 Das andere Bild zeigt die richtige Kondition des Sloughis: Muskeln und Sehnen. Leider stellt der Hund den rechten Hinterlauf zurück, so dass die Hinterhand einen fast greyhoundartigen Eindruck macht, den der Sloughi nicht haben soll.  Die Hinterhand sollte mehr unterstellt sein.  Die Ferse soll möglichst kurz sein, weil der Sloughi beim Wenden im Wüstensand sich auf die Fersen setzt, um dem weichen Sand Widerstand leisten zu können, eine Taktik, die außer dieser Rasse nur die Afghanen anwenden. Beiden Rassen ist auch ein merkwürdiges Gebaren auf der Jagd in unübersichtlichem Gelände eigentümlich: die Hunde schnellen sich, auf den Fersen sitzend, mit hängenden Vorderpfoten senkrecht in die Höhe, um das außer Gesicht gekommene Wild zu eräugen.“ 

Wo aber kam Jelloul, der Vater von Kabyle, (und die Mutter Jouhera) ursprünglich her? Sein Zwingername führt uns zu Mlle. Turcat, spätere Mme Davin, die unter dem Zwingernamen „Ould Chems“ in Frankreich bemerkenswert schöne und typische Sloughis besaß und züchtete. Wir sehen im Bild ihre Importhündin „Ghzala el Srira“ (Foto 4) und 2 typische Sloughis ihrer Zucht, „Jeninah Ould Chems“ (Foto 5) und als Kopfstudie „Jakib Ould Chems“. (Foto 6) Mme Davin-Turcat war übrigens die Gründerin des französischen Sloughi-Clubs und Mitwirkende an einer Neubearbeitung des Standards.

Wir haben Mme. Davin-Turcat übrigens 1975 beim großen Sloughi-Meeting des Clubs du Sloughi im Park von Richelieu erlebt, wo sie zusammen mit dem damaligen Präsidenten, M. Mauvy, die Hunde begutachtete und qualifizierte. Die Leute sagten damals ehrfürchtig, sie sei die große alte Sloughi-Expertin.

(Am Rande erwähnt werden darf, dass die zwei besten Hündinnen des Clubmatchs die französische Zeraia, Bes. M. Leclere, und  die deutsche Badiya Schuru-esch-Schams wurden – und so könnte man sagen, dass sich eine Art von Bogen von den 30er Jahren bis zum Beginn der neuen europäischen Zucht spannt.)

Zurück zu den Windecker Sloughis. Mit dem Stammzwinger Ould Chems haben wir also auch die väterliche Seite, die französische, auf die der Rüde Kabyle von Fr. Windecker-Castan zurückging, ein wenig kennengelernt.

Nun hat Peter Karfeld in seinem Buch neben der Zorah auch ein Kind, nämlich Hündin Amulett von der Burg Windeck, abgebildet, ein Kopfbild mit einem typischen sandfarbenen Sloughi-Gesicht (Foto 7) mit leichter Maske und Hängeohren, so dass wir wenigstens ein Zuchtprodukt zu sehen bekommen.

Obwohl leider nichts das Kriegsende überdauerte, so haben wir doch den Mantel des Vergessens ein wenig gelüftet und den alten Nummern und Namen ein Gesicht gegeben.